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Nach wie vor kaum Erkenntnisse zu Click- und Crowdworking in M-V

Zur Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage „Click- und Crowdworking über Internetplattformen“ (Drs 7/5056) erklärt der wirtschaftspolitische Sprecher der Linksfraktion, Henning Foerster:

„Die Digitalisierung und die damit verbundenen Veränderungen in der Arbeitswelt sind in aller Munde. Wenn es jedoch konkret wird, tappt die Landesregierung offenbar weitgehend im Dunkeln. So auch beim Thema Click- und Crowdworking. Hierbei wird eine komplexe Arbeit für einen speziellen Arbeitgeber, in viele kleine Einzelteile zerlegt. Sogenannte Click- oder Crowdworker rufen die Arbeitsaufträge auf Plattformen ab, bearbeiten diese und werden dafür entlohnt.

Wie viele Menschen im Nordosten derzeit auf diese Weise arbeiten und ob diese dies hauptberuflich tun oder sich zum Hauptjob, zur Rente, als Schüler oder Student noch etwas dazuverdienen ist der Landesregierung aktuell nicht bekannt. So beruft sie sich bei ihrer Antwort auf Befragungen im Rahmen des Crowdworking Monitors aus dem Jahre 2018. Offenbar plant sie derzeit auch nicht, diesen Fragen einmal durch eigene Untersuchungen oder die Beauftragung einer Studie nachzugehen. Dabei stellen sich in diesem Kontext viele Fragen. Was verdient man mit einer solchen Tätigkeit? Wie viele Zeitstunden pro Woche müssen Click- oder Crowdworker arbeiten, um ein vernünftiges Einkommen zu erzielen? Wie ist es um die soziale Absicherung derart tätiger Menschen, also Arbeitslosen-, Kranken- und Rentenversicherung bestellt?

Digitalisierung ist mehr als Breitbandanschlüsse und W-LAN an jede Milchkanne zu bringen. Es bedeutet auch, sich mit den Folgen technischer Innovationen für die Arbeit der Menschen zu befassen. Zwar versichert die Landesregierung, dass sie sich für eine faire und soziale Arbeitswelt einsetzt, wie genau sie dies mit Blick auf die Transformationsprozesse im Zuge der Digitalisierung, zum Beispiel bei Click- und Crowdworkern tut, diese Antwort bleibt sie aktuell allerdings schuldig.“

Hintergrund:

  • Aufträge für Click- und Crowdworker werden über verschiedene Plattformen zur Verfügung gestellt
  • Marktplatz-Plattformen bieten komplexe Aufgaben, wie die Entwicklung von Software und E-Learning-Programmen
  • Testing-Plattformen verlangen von Crowdworkern Mobiltelefon und Web-Affinität, der Auftrag wird in Einzeltests zerlegt und später zusammengefügt
  • Design-Plattformen arbeiten in einem Wettbewerb-Format. Der Auftraggeber schreibt z.B. ein neues Logo aus und zahlt nur dem Gewinner ein Honorar
  • Innovations-Plattformen geben keine Zeitspanne vor, die Crowdworker tauschen sich aus und erarbeiten gemeinsam eine Lösung. Das kommt Werkvertragskonstruktionen sehr nahe
  • 39,7% der Befragten gaben in Befragungen an, mehr als 1000€ brutto/Woche zu verdienen, 22% weniger als 25€ brutto/Woche
  • 24,3% der Befragten arbeiten mehr als 40 Stunden/Woche als Crowdworker, 26,1% weniger als 5 Stunden/Woche
  • 51,7% der Crowdworker sind Frauen, 48,3% Männer, 53% arbeiten im Nebenverdienst als Crowdworker
  • Faire Arbeit? www.faircrowdwork.org  enthält Bewertungstool Faircrowdwork-Watch auf dem Crowdworker Plattformen, für die sie arbeiten hinsichtlich Bezahlung, Arbeitsqualität, Kommunikation, Mitarbeiterüberwachung bewerten können